Die Lehrrede über Krankheit: Krankheit des Körpers und Krankheit des Geistes
Geistesschulung

Die Lehrrede über Krankheit: Krankheit des Körpers und Krankheit des Geistes

Rogasuttaṃ

Menschen, die viele Jahre frei von körperlicher Krankheit sind, lassen sich finden, doch solche, die auch nur einen Augenblick frei von geistiger Krankheit sind, sind selten – außer denen, deren Befleckungen aufgelöst sind. Dazu vier Krankheiten eines Entsagenden und Ānandas Lehre an eine Nonne: Dieser Körper entsteht aus Nahrung, Verlangen und Einbildung, und gestützt auf sie gibt man sie auf.

8 Punkte

Im Roga Sutta des Kapitels über die Fähigkeiten im Viererbuch des Aṅguttara Nikāya sagt der Buddha, es gebe zwei Arten von Krankheit: des Körpers und des Geistes. Wesen, die von sich sagen können, ein Jahr, zehn Jahre, ja über hundert Jahre frei von körperlicher Krankheit gewesen zu sein, lassen sich finden; doch Wesen, die von sich sagen können, auch nur einen Augenblick frei von geistiger Krankheit zu sein, sind in der Welt selten – außer denen, deren Befleckungen aufgelöst sind.

Dann legt er vier Krankheiten eines Entsagenden dar, die mit großen Wünschen und mangelnder Genügsamkeit beginnen und sich bis ins Streben nach Ansehen und Gewinn ausbreiten.

Im Bhikkhunī Sutta desselben Kapitels schickt eine Nonne einen Mann, um Ānanda einzuladen, und lässt ausrichten, sie sei schwer krank. Als Ānanda ankommt, liegt sie mit verhülltem Kopf auf ihrem Bett. Ānanda lehrt, dass dieser Körper aus Nahrung, Verlangen, Einbildung und Geschlechtsverkehr entsteht. Am Ende steht sie auf und bekennt ihren Fehler. Der Kommentar erklärt, dass sie in Ānanda verliebt war.

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    Zwei Arten von Krankheit Kāyiko ca rogo cetasiko ca

    Der Buddha sagt, es gebe zwei Arten von Krankheit: körperliche und geistige. Es gibt Menschen, die von sich sagen können, ein Jahr, zehn, fünfzig oder sogar über hundert Jahre frei von körperlicher Krankheit gewesen zu sein.

    Anwendung im Alltag

    Wir gehen jedes Jahr zur körperlichen Vorsorgeuntersuchung; prüfen Sie auch die Gesundheit des Geistes. Bin ich in letzter Zeit schneller wütend geworden? Will ich mehr?

  2. 2

    Auch nur einen Augenblick frei von geistiger Krankheit zu sein ist selten Aññatra khīṇāsavehi

    Wesen, die von sich sagen können, auch nur einen Augenblick frei von geistiger Krankheit zu sein, sind in der Welt selten – außer denen, deren Befleckungen aufgelöst sind.

    Anwendung im Alltag

    Wenn Sie jemanden jähzornig oder selbstsüchtig erleben, denken Sie daran, dass wir an derselben Krankheit leiden. Sie werden weniger Vorwürfe machen und mehr verstehen.

  3. 3

    Die Krankheit eines Entsagenden: große Wünsche, keine Genügsamkeit Mahiccho hoti vighātavā asantuṭṭho

    Die Krankheit eines Entsagenden beginnt damit, große Wünsche zu haben, frustriert zu sein und mit den Roben, der Almosenspeise, der Unterkunft und den Arzneien, die man bekommt, nicht zufrieden zu sein.

    Anwendung im Alltag

    Achten Sie auf das Gefühl „nicht genug“ gegenüber dem, was Sie bereits haben. Diese kleine Unzufriedenheit ist oft der Ort, an dem größeres Leiden beginnt.

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    Üble Wünsche nach Ansehen Pāpikaṃ icchaṃ paṇidahati

    Weil er unzufrieden ist, hegt der Mönch üble Wünsche nach Ansehen, Gewinn, Ehre und Lob; er strebt und müht sich darum und besucht Familien, sitzt, lehrt den Dhamma, hält sogar Urin und Kot zurück – alles, um angesehen zu sein. Das sind die vier Krankheiten eines Entsagenden.

    Anwendung im Alltag

    Bevor Sie über Ihre guten Taten posten, fragen Sie sich, ob es Ihnen wirklich ums Teilen geht oder darum, bewundert zu werden.

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    Das Heilmittel: Geduld Khamā bhavissāma sītassa uṇhassa

    Er fordert sie auf, sich darin zu schulen, keine großen Wünsche zu haben und nicht nach Gewinn und Lob zu streben, sondern Kälte, Hitze, Hunger, Durst, die Berührung von Fliegen und Mücken, grobe Worte und schmerzhafte körperliche Gefühle zu ertragen.

    Anwendung im Alltag

    Üben Sie heute Geduld mit kleinen Unannehmlichkeiten, etwa einer langen Schlange oder heißem Wetter, ohne sich zu beklagen.

  6. 6

    Der Körper entsteht aus Nahrung; gestützt auf Nahrung, Nahrung aufgeben Āhāraṃ nissāya āhāro pahātabbo

    Ānanda sagt zu der Nonne, dieser Körper entstehe aus Nahrung. Ein Mönch überlegt weise und isst nur, um den Körper zu erhalten und das geistliche Leben zu unterstützen, nicht zum Vergnügen oder zum Schmuck. Mit der Zeit gibt er, gestützt auf Nahrung, das Anhaften an der Nahrung auf.

    Anwendung im Alltag

    Gebrauchen Sie die Dinge, die Sie zum Leben brauchen, mit Bedacht. Sie müssen sie nicht ablehnen, aber lassen Sie sie nicht zu Ihrem Herrn werden.

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    Gestützt auf Verlangen das Verlangen aufgeben; gestützt auf Einbildung die Einbildung aufgeben Taṇhaṃ nissāya taṇhā pahātabbā

    Ein Mönch hört, dass ein bestimmter Mönch die Freiheit des Geistes und die Freiheit durch Weisheit verwirklicht hat, und denkt: „Wann werde auch ich das verwirklichen?“ Gestützt auf diese Sehnsucht gibt er das Verlangen auf. Ein anderer denkt: „Er hat es geschafft – warum sollte ich es nicht können?“ Gestützt auf diese Einbildung gibt er die Einbildung auf. Was den aus Geschlechtsverkehr entstandenen Körper betrifft, so soll der Geschlechtsverkehr aufgegeben werden, was der Buddha das Zerbrechen der Brücke (setughāta) nannte.

    Anwendung im Alltag

    Der Wunsch, besser zu werden, oder das Gefühl „wenn sie es können, kann ich es auch“ lässt sich als Antrieb nutzen – solange Sie nicht daran festhalten, wenn Sie das Ziel erreicht haben.

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    Einen Fehler bekennen und sich künftig zügeln Accayo maṃ bhante accagamā

    Nach der Unterweisung steht die Nonne auf, verneigt sich zu Ānandas Füßen und gibt zu, dass sie sich töricht vergangen hat. Ānanda nimmt ihr Bekenntnis an und sagt, einen Fehler als Fehler zu sehen, ihn gemäß dem Dhamma wiedergutzumachen und sich künftig zu zügeln, sei Wachstum in der Disziplin der Edlen.

    Anwendung im Alltag

    Wenn Sie einen Fehler machen, geben Sie ihn offen zu, entschuldigen Sie sich und sagen Sie, wie Sie künftig achtgeben werden, statt Ausreden zu suchen.

Im Alltag ausprobieren

„Geistige Krankheit“ bedeutet in dieser Lehrrede die Verunreinigungen – Gier, Hass und Täuschung –, die fast jeder hat. Gemeint sind keine klinischen Erkrankungen wie Depressionen oder Angststörungen; die Lehrrede darf daher niemals dazu benutzt werden, Menschen mit psychischen Erkrankungen zu stigmatisieren, und wer ernsthaft zu kämpfen hat, sollte neben der Schulung des Geistes einen Arzt oder eine Fachkraft aufsuchen.

Worauf es ankommt, ist Demut: Da wir alle noch an geistiger Krankheit leiden, sollten wir nicht meinen, wir seien geheilt, und wir können die Schwächen anderer mit Verständnis betrachten.

Die Geschichte der Nonne lehrt auch, dass es Wachstum ist und keine Schande, einen Fehler ehrlich zuzugeben und sich künftig zu zügeln.

Quellen im Tipiṭaka

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