Was man zur unmittelbaren Erkenntnis der Gier entwickeln soll (Zehnerbuch): Drei Werkzeugkästen
Geistesschulung

Was man zur unmittelbaren Erkenntnis der Gier entwickeln soll (Zehnerbuch): Drei Werkzeugkästen

Rāgassa bhikkhave abhiññāya dasa dhammā bhāvetabbā

Am Ende des Zehnerbuchs gibt der Buddha drei Werkzeugkästen, um die Gier zu verstehen: zehn Wahrnehmungen, Wahrnehmungen von Leichnamen und der Unbeständigkeit sowie die zehn Arten des Rechten. Dann sagt er, dass dieselben Reihen auch dazu dienen, Hass, Täuschung, Zorn, Neid, Geiz und so weiter bis hin zur Nachlässigkeit aufzugeben.

8 Punkte

Im letzten Abschnitt des Zehnerbuchs des Aṅguttara Nikāya sagt der Buddha, dass man zehn Dinge zur unmittelbaren Erkenntnis der Gier entwickeln soll, und gibt drei Reihen. Die erste umfasst die Wahrnehmung des Unschönen, die Wahrnehmung des Todes, die Wahrnehmung der Widerlichkeit der Nahrung, die Wahrnehmung, an der ganzen Welt keine Freude zu finden, die Wahrnehmung der Unbeständigkeit, die Wahrnehmung des Leidens im Unbeständigen, die Wahrnehmung des Nicht-Selbst in dem, was Leiden ist, die Wahrnehmung des Aufgebens, die Wahrnehmung des Schwindens und die Wahrnehmung des Aufhörens.

Die zweite umfasst die Wahrnehmungen der Unbeständigkeit, des Nicht-Selbst, der Widerlichkeit der Nahrung und des Nicht-Freudefindens an der ganzen Welt sowie sechs Wahrnehmungen eines Leichnams. Die dritte reicht von rechter Ansicht bis zu rechter Freiheit.

Dann sagt er, dass man diese nicht nur zur unmittelbaren Erkenntnis entwickeln soll, sondern auch zum vollständigen Verstehen, zum Aufgeben, zum Aufhören und zum Loslassen der Gier, und ebenso für sechzehn weitere Verunreinigungen, von Hass und Täuschung bis zu Eitelkeit und Nachlässigkeit. Der Abschnitt ist sehr kurz und teilweise abgekürzt.

  1. 1

    Unmittelbar erkennen, nicht nur unterdrücken Rāgassa bhikkhave abhiññāya

    Die Formulierung lautet „zur unmittelbaren Erkenntnis der Gier“. Alles in diesem Abschnitt ist etwas, das man entwickeln soll, das heißt hervorbringen und vermehren. Es heißt nicht einfach, das Begehren zu erzwingen oder zu unterdrücken.

    Anwendung im Alltag

    Wenn ein Verlangen aufkommt, beobachten Sie es zuerst: Was hat es ausgelöst, wie fühlt es sich im Körper an und wie vergeht es? Je besser Sie es kennen, desto weniger Macht hat es.

  2. 2

    Das Unschöne, der Tod und die Nahrung Asubhasaññā maraṇasaññā

    Die ersten vier der ersten Reihe sind die Wahrnehmung des Unschönen, die Wahrnehmung des Todes, die Wahrnehmung der Widerlichkeit der Nahrung und die Wahrnehmung, an der ganzen Welt keine Freude zu finden.

    Anwendung im Alltag

    Wenn Sie Lust auf einen Spontankauf haben, stellen Sie sich den Tag vor, an dem der Gegenstand alt, kaputt oder weggeworfen ist. Wer den ganzen Kreislauf sieht, schwächt das augenblickliche Verlangen schon dadurch.

  3. 3

    Unbeständig, Leiden, Nicht-Selbst Anicce dukkhasaññā dukkhe anattasaññā

    Die nächsten drei sind die Wahrnehmung der Unbeständigkeit, die Wahrnehmung des Leidens in dem, was unbeständig ist, und die Wahrnehmung des Nicht-Selbst in dem, was Leiden ist.

    Anwendung im Alltag

    Wenn Sie stark an etwas hängen, fragen Sie Schritt für Schritt: Wird das von Dauer sein? Wenn nicht – ist es angenehm oder schmerzhaft, daran festzuhalten? Und gehört es wirklich mir?

  4. 4

    Aufgeben, Schwinden, Aufhören Pahānasaññā virāgasaññā nirodhasaññā

    Die letzten drei der ersten Reihe sind die Wahrnehmung des Aufgebens, die Wahrnehmung des Schwindens und die Wahrnehmung des Aufhörens.

    Anwendung im Alltag

    Erinnern Sie sich an ein Mal, als Sie ein Begehren losgelassen und sich leichter gefühlt haben. Diese Erinnerung ist der Beweis, dass Loslassen wirklich Glück bringen kann.

  5. 5

    Wahrnehmungen eines Leichnams Aṭṭhikasaññā puḷuvakasaññā

    Die zweite Reihe enthält die Wahrnehmungen der Unbeständigkeit, des Nicht-Selbst, der Widerlichkeit der Nahrung und des Nicht-Freudefindens an der ganzen Welt, dazu sechs Wahrnehmungen eines Leichnams: ein Skelett, ein von Würmern befallener Leichnam, ein bläulich verfärbter Leichnam, ein eiternder Leichnam, ein zerteilter Leichnam und ein aufgedunsener Leichnam.

    Anwendung im Alltag

    Für die meisten Menschen lässt sich das behutsam nutzen, indem man sich daran erinnert, dass sich jeder Körper verändert und zerfällt. Es ist nicht nötig, erschreckende Bilder anzusehen; hören Sie auf, wenn es Sie bedrückt.

  6. 6

    Die dritte Reihe: ein Leben, das in zehn Hinsichten recht ist Sammādiṭṭhi sammāsaṅkappo

    Die dritte Reihe besteht nicht aus Wahrnehmungen, sondern aus rechter Ansicht, rechtem Bestreben, rechter Rede, rechtem Handeln, rechtem Lebenserwerb, rechtem Einsatz, rechter Achtsamkeit, rechter Versenkung, rechtem Wissen und rechter Freiheit, die ebenfalls zur unmittelbaren Erkenntnis der Gier zu entwickeln sind.

    Anwendung im Alltag

    Manchmal ist der wirksamste Weg, Verlangen zu verringern, nicht die Betrachtung, sondern ein gut geordnetes Leben: ehrliche Arbeit, genug Schlaf und nicht in einer Umgebung zu bleiben, die ständig Begehren weckt.

  7. 7

    Vom Erkennen zum Loslassen Pariññāya parikkhayāya pahānāya

    Der Abschnitt fährt fort: Diese soll man entwickeln zum vollständigen Verstehen, zum völligen Versiegen, zum Aufgeben, zum Beenden, zum Vergehen, zum Schwinden, zum Aufhören, zur Beruhigung, zum Preisgeben und zum Loslassen der Gier.

    Anwendung im Alltag

    Erwarten Sie nicht, dass ein Anhaften auf einmal verschwindet. Es zu bemerken, es zu verringern und es nach und nach loszulassen – all das ist Fortschritt.

  8. 8

    Sechzehn weitere Verunreinigungen Kodhassa upanāhassa makkhassa palāsassa

    Am Ende heißt es, dass dieselben Reihen zur unmittelbaren Erkenntnis und zum Aufgeben von Hass, Täuschung, Zorn, Feindseligkeit, Geringschätzung, Rivalität, Neid, Geiz, Hinterlist, Prahlerei, Starrsinn, Aggressivität, Einbildung, Überheblichkeit, Eitelkeit und Nachlässigkeit dienen.

    Anwendung im Alltag

    Wählen Sie die Verunreinigung auf dieser Liste, die Sie am häufigsten an sich selbst bemerken – etwa Neid auf den Erfolg eines Freundes in den sozialen Medien –, und versuchen Sie, die Wahrnehmung der Unbeständigkeit darauf anzuwenden.

Im Alltag ausprobieren

Gier (rāga) meint hier Leidenschaft und Anhaften – nicht nur im sexuellen Sinn, sondern auch das Anhaften an Essen, Besitz und dem, was wir online sehen.

Beachten Sie, dass es nicht die eine Methode für alle gibt. Der Abschnitt bietet mehrere Werkzeuge an: Manchen hilft es, sich an den Tod zu erinnern, anderen, die Unbeständigkeit zu sehen, wieder anderen, ihr Leben in allen zehn Bereichen in Ordnung zu bringen.

Den Körper als unschön zu betrachten ist eine traditionelle Übung, die das Anhaften lockern soll – nicht dazu, dass wir unseren eigenen oder irgendeinen anderen Körper hassen. Wenn Sie sich dadurch schlecht fühlen, ängstlich werden oder eine alte Wunde berührt wird, hören Sie auf, wählen Sie ein anderes Werkzeug aus derselben Reihe und fragen Sie eine erfahrene Lehrerin oder einen erfahrenen Lehrer um Rat.

Quellen im Tipiṭaka

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