Die große Lehrrede über die sechs Sinnesfelder: Wer die Sinne nicht klar sieht, bei dem häuft sich Leiden an
Geistesschulung

Die große Lehrrede über die sechs Sinnesfelder: Wer die Sinne nicht klar sieht, bei dem häuft sich Leiden an

Saḷāyatanavibhaṅgasuttaṃ

Wer das Auge, die Formen, das Sinnesbewusstsein, den Kontakt und das Gefühl nicht so kennt und sieht, wie sie wirklich sind, wird davon betört; die fünf Aggregate häufen sich an, und Verlangen und Fieber in Körper und Geist nehmen zu. Wer sie kennt und sieht, wie sie sind, erfährt das Gegenteil: Der edle achtfache Pfad wird erfüllt, und Geistesruhe und Klarsicht gehen gemeinsam voran.

7 Punkte

Im Saḷāyatanavibhaṅga Sutta des Saḷāyatana-Kapitels im Majjhima Nikāya (Uparipaṇṇāsa), das manche Pāli-Ausgaben Mahāsaḷāyatanika Sutta nennen (eine andere Lehrrede als das Saḷāyatanavibhaṅga Sutta im Vibhaṅga-Kapitel über die sechsunddreißig Positionen), weilt der Buddha im Jeta-Hain und sagt, er werde ausführlich über die sechs Sinnesfelder lehren.

Er stellt zwei gegensätzliche Seiten dar. Auf der einen Seite steht, wer das Auge, die Formen, das Sehbewusstsein, den Sehkontakt und das aus dem Sehkontakt geborene Gefühl nicht so kennt und sieht, wie sie wirklich sind: Er wird von Begierde nach ihnen entflammt und sieht nur ihre Befriedigung. Die fünf mit Ergreifen verbundenen Aggregate häufen sich an, das Verlangen wächst, und Stress, Qual und Fieber wachsen in Körper und Geist. Auf der anderen Seite steht, wer sie kennt und sieht, wie sie wirklich sind; bei ihm ist jedes Ergebnis das Gegenteil.

Dann zeigt er, dass bei einem solchen Menschen der edle achtfache Pfad erfüllt wird, alle Eigenschaften, die zum Erwachen führen, vollständig entfaltet werden, Geistesruhe und Klarsicht gemeinsam vorangehen und die vier Aufgaben durch unmittelbare Erkenntnis erfüllt werden. Dasselbe lehrt er für Ohr, Nase, Zunge, Körper und Geist.

  1. 1

    Die ganze Kette nicht kennen, wie sie ist Cakkhuṃ bhikkhave ajānaṃ apassaṃ yathābhūtaṃ

    Was man so kennen und sehen muss, wie es wirklich ist, sind nicht nur das Auge und die Formen, sondern auch das Sehbewusstsein, der Sehkontakt und das angenehme, schmerzhafte oder neutrale Gefühl, das aus diesem Kontakt entsteht. Wer es nicht kennt, wie es ist, wird an jeder Stelle der Kette von Begierde entflammt.

    Anwendung im Alltag

    Wenn Sie das nächste Mal etwas auf Ihrem Bildschirm packt, verfolgen Sie es: Das Auge sieht, Sie wissen, dass Sie sehen, der Geist wird getroffen – und wie fühlen Sie sich dann? Wer so langsam nachverfolgt, wird nicht sofort mitgerissen.

  2. 2

    Betört, weil man nur die Befriedigung sieht Assādānupassino viharato

    Wer entflammt, gefesselt und betört ist und nur die Befriedigung betrachtend verweilt – nur die ansprechende Seite sieht –, bei dem häufen sich die fünf mit Ergreifen verbundenen Aggregate für die Zukunft an, und das Verlangen, das zu erneutem Dasein führt, wächst.

    Anwendung im Alltag

    Bevor Sie etwas kaufen oder eine neue Gewohnheit beginnen, schreiben Sie mindestens eine unattraktive Seite davon auf, damit Sie nicht allein nach der verlockenden Seite entscheiden.

  3. 3

    Die Unruhe wächst in Körper und Geist Kāyikāpi darathā pavaḍḍhanti

    Die Lehrrede führt die Folgen aus: Stress, Qual und Fieber wachsen sowohl körperlich als auch geistig, und man erfährt körperliches und geistiges Leiden. Unbemerktes Verlangen zeigt sich auch im Körper.

    Anwendung im Alltag

    Achten Sie auf Ihren Körper, wenn Sie etwas sehr stark wollen – rasendes Herz, unruhige Hände, Schlaflosigkeit. Das sind Signale, innezuhalten und auf den Geist zu schauen.

  4. 4

    Wer klar sieht und die Gefahr sieht, bei dem häuft sich kein Leiden an Ādīnavānupassino viharato

    Wer die Sinnesfelder kennt und sieht, wie sie sind, ist nicht entflammt, nicht gefesselt, nicht betört und verweilt, indem er die Gefahr betrachtet. Die fünf mit Ergreifen verbundenen Aggregate häufen sich nicht an; das Verlangen wird aufgegeben, körperlicher und geistiger Stress, Qual und Fieber werden aufgegeben, und man erfährt Glück in Körper und Geist.

    Anwendung im Alltag

    Das Glück, nicht hin- und hergezogen zu werden, ist echt. Achten Sie auf einen Tag, an dem Sie nichts hinterhergejagt sind, und sehen Sie, wie viel leichter Ihr Geist war.

  5. 5

    Das Verhalten ist schon geläutert, der Pfad wird erfüllt Pubbeva kho panassa kāyakammaṃ vacīkammaṃ ājīvo suparisuddho hoti

    Bei einem solchen Menschen wird die Ansicht zur rechten Ansicht, das Bestreben zum rechten Bestreben, der Einsatz zum rechten Einsatz, die Achtsamkeit zur rechten Achtsamkeit, die Versenkung zur rechten Versenkung – und körperliches Handeln, Rede und Lebenserwerb waren schon vorher gut geläutert. So kommt der Edle Achtfache Pfad zur Erfüllung.

    Anwendung im Alltag

    Die Meditation reicht weiter, wenn das äußere Leben sauber ist. Wenn ein Verstoß gegen die Tugendregeln noch ungeklärt ist, ist es selbst schon eine Form der Übung, ihn in Ordnung zu bringen.

  6. 6

    Geistesruhe und Klarsicht gehen gemeinsam voran Yuganaddhā vattanti samatho ca vipassanā ca

    Wenn man den Pfad auf diese Weise entfaltet, werden auch die vier Grundlagen der Achtsamkeit, die vier Arten rechten Bemühens, die vier Grundlagen des Erfolgs, die fünf Fähigkeiten, die fünf Kräfte und die sieben Faktoren des Erwachens erfüllt, und zwei Dinge – Geistesruhe und Klarsicht – gehen zusammengespannt voran. Man muss nicht eines wählen und das andere fallen lassen.

    Anwendung im Alltag

    Nehmen Sie in eine kurze Sitzung beides auf: Lassen Sie den Geist zuerst auf dem Atem ruhen, bis er still ist, und beobachten Sie dann, wie Gefühle entstehen und vergehen.

  7. 7

    Vier Aufgaben durch unmittelbare Erkenntnis Avijjā ca bhavataṇhā ca

    Was vollständig verstanden werden soll, sind die fünf mit Ergreifen verbundenen Aggregate; was aufgegeben werden soll, sind Unwissenheit und das Verlangen nach Dasein; was entfaltet werden soll, sind Geistesruhe und Klarsicht; was verwirklicht werden soll, sind wahres Wissen und Freiheit. Alles geschieht durch unmittelbare Erkenntnis.

    Anwendung im Alltag

    Wenn Sie vor einem inneren Problem stehen, ordnen Sie es mit vier Fragen: Was muss ich verstehen, was muss ich loslassen, was muss ich mehr üben, und welches Ergebnis möchte ich sehen?

Im Alltag ausprobieren

Diese Lehrrede beschreibt einen Mechanismus, den wir im Zeitalter der Bildschirme gut kennen: Wir sehen etwas Ansprechendes, der Geist klammert sich daran, will mehr und wird in Körper und Geist unruhig. Die Lehrrede sagt nicht, wir sollen aufhören hinzuschauen, sondern die ganze Kette so zu kennen und zu sehen, wie sie ist – Auge, Bild, Erkennen, Kontakt und das Gefühl, das entsteht.

Auffällig ist das Ergebnis des klaren Sehens: Die Lehrrede sagt, ein solcher Mensch erfahre Glück in Körper und Geist. Die Sinne zu beobachten, soll das Leben nicht trocken machen; es geht darum, das Feuer der Unruhe nicht mehr zu schüren.

Quellen im Tipiṭaka

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