Der Akt des Tadels: Wenn jemand immer wieder Streit anfacht
Alltag

Der Akt des Tadels: Wenn jemand immer wieder Streit anfacht

Tajjanīyakammaṃ

Die Anhänger von Paṇḍuka und Lohitaka stifteten Unfrieden und gingen umher, um andere Mönche anzustacheln, so lange zu streiten, bis sie gewännen – mit dem Versprechen, auf ihrer Seite zu stehen. Der Buddha befragte die Mönche und ließ den Saṅgha in einem ordnungsgemäßen Verfahren den Akt des Tadels verhängen. Als sie sich gebessert hatten, hob der Saṅgha ihn wieder auf.

7 Punkte

Im Kammakkhandhaka des Cullavagga im Vinaya Piṭaka handelt die erste Geschichte von den Mönchen, die Paṇḍuka und Lohitaka folgten. Sie selbst stifteten Unfrieden, Streit und Auseinandersetzungen und schufen Disziplinarfälle im Saṅgha. Außerdem gingen sie zu anderen Mönchen, die miteinander stritten, und sagten zu ihnen: Lass ihn nicht gewinnen, halte kräftig dagegen, du bist weiser, gelehrter und fähiger als er, hab keine Angst vor ihm, wir stehen auf deiner Seite. So entstanden Streitigkeiten, die noch nicht entstanden waren, und die schon entstandenen wuchsen und breiteten sich aus.

Mönche mit wenigen Wünschen berichteten dies dem Buddha. Er rief den Saṅgha zusammen, fragte, ob es wahr sei, tadelte das Verhalten und ließ den Saṅgha den Akt des Tadels (tajjanīyakamma) verhängen. Das Verfahren lautet: zuerst die Betreffenden beschuldigen, sie Stellung nehmen lassen, das Vergehen feststellen und es erst dann in der Versammlung des Saṅgha verkünden.

Der Vinaya legt auch fest, welche Akte rechtmäßig sind und welche nicht. Wer unter dem Akt steht, muss achtzehn Pflichten einhalten, und sobald er sich gut verhält, hebt der Saṅgha den Akt auf. All das ist klösterliches Verfahren, doch die Grundsätze der Fairness darin gelten für jede Gemeinschaft.

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    Andere anstacheln, zu streiten, bis sie gewinnen Balavā balavaṃ paṭimantetha

    Paṇḍuka und Lohitaka gingen zu Mönchen, die miteinander stritten, und sagten zu ihnen: Lass ihn nicht gewinnen, halte kräftig dagegen, du bist weiser, scharfsinniger, gelehrter und fähiger als er, hab keine Angst vor ihm, wir stehen auf deiner Seite.

    Anwendung im Alltag

    Wenn Ihnen ein Freund von einem Streit erzählt, hüten Sie sich vor anstachelnden Worten wie „Du bist doch sowieso besser als die, leg los“. Zuzuhören und ihm beim Nachdenken zu helfen ist besser, als ihm zum Sieg zu verhelfen.

  2. 2

    Neue Streitigkeiten entstehen, alte breiten sich aus Bhiyyobhāvāya vepullāya saṃvattanti

    Die Folge der Anstiftung war, dass Streitigkeiten, die noch nicht entstanden waren, entstanden, und die schon entstandenen zunahmen und sich ausbreiteten. Der Buddha sagte, ein solches Verhalten wecke bei denen, die noch keine Zuversicht haben, keine Zuversicht und bringe manche, die Zuversicht haben, dazu, ihre Meinung zu ändern.

    Anwendung im Alltag

    Fragen Sie sich nach jedem Gespräch über einen Konflikt, ob die Sache durch Ihre Worte kleiner oder größer geworden ist.

  3. 3

    Fragen, bevor man urteilt Bhikkhū paṭipucchi

    Der Buddha strafte nicht, sobald er davon hörte. Er rief den Saṅgha zusammen und fragte, ob es wahr sei, und erst nachdem es bestätigt war, tadelte er sie. Auch das Verfahren für den Akt verlangt, zuerst zu beschuldigen, den Beschuldigten Stellung nehmen zu lassen, das Vergehen festzustellen und es dann dem Saṅgha zu verkünden.

    Anwendung im Alltag

    Bevor Sie ein Kind oder einen Mitarbeiter wegen etwas zurechtweisen, das Sie gehört haben, prüfen Sie die Fakten und lassen Sie die Person sich zuerst erklären.

  4. 4

    Richtige Sache, falsches Verfahren – dennoch unfair Asammukhā kataṃ hoti

    Ein Akt des Tadels ist unrechtmäßig, wenn er in Abwesenheit der Person durchgeführt wird, ohne vorherige Befragung, nicht im Einklang mit ihrem Eingeständnis, ohne dass ein Vergehen vorliegt, wegen eines bereits bekannten Vergehens, ohne vorherige Beschuldigung, ohne dass der Beschuldigte Stellung nehmen darf oder von einem gespaltenen Saṅgha. Einer, der in ihrer Anwesenheit, nach Befragung, im Einklang mit dem Eingeständnis, gemäß dem Dhamma und von einem geeinten Saṅgha durchgeführt wird, ist rechtmäßig.

    Anwendung im Alltag

    Selbst wenn die Person wirklich etwas falsch gemacht hat: Wer sie hinter ihrem Rücken bestraft oder sie sich nicht erklären lässt, erweckt bei anderen den Eindruck von Ungerechtigkeit, und die Sache kommt nicht zur Ruhe.

  5. 5

    Erlaubt, aber nicht jedes Mal erforderlich Ākaṅkhamāno saṅgho

    Der Vinaya sagt, der Saṅgha könne, wenn er es wünscht, den Akt des Tadels über einen Mönch verhängen, der Unfrieden stiftet, der töricht ist und viele Vergehen begeht, der unpassenden Umgang mit Laien pflegt, der in Tugend, Verhalten oder Ansicht versagt hat oder der den Buddha, den Dhamma oder den Saṅgha herabsetzt.

    Anwendung im Alltag

    Dass eine Regel eine Strafe erlaubt, heißt nicht, dass sie jedes Mal angewandt werden muss. Wer für eine Gemeinschaft Verantwortung trägt, sollte abwägen, was jemandem tatsächlich hilft, sich zu ändern.

  6. 6

    Unter dem Akt von Aufgaben zurücktreten Sammā vattitabbaṃ

    Wer unter dem Akt des Tadels steht, muss achtzehn Pflichten einhalten, etwa: keine volle Ordination erteilen, niemanden in Abhängigkeit unter seine Anleitung nehmen, keine Nonnen unterweisen, dieses Vergehen nicht noch einmal begehen, den Akt oder die Mönche, die ihn durchgeführt haben, nicht kritisieren, keine anderen Mönche beschuldigen und Mönche nicht dazu anstacheln, über Disziplinarfälle zu streiten.

    Anwendung im Alltag

    Wer gerade ermahnt wurde, weil er Spaltung verursacht hat, sollte sich eine Weile aus Leitungsaufgaben oder aus dem Urteilen über die Angelegenheiten anderer zurückziehen, bis die Veränderung eindeutig echt ist.

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    Wenn sie sich ändern, wird der Akt aufgehoben Lomaṃ pātenti

    Die Anhänger von Paṇḍuka und Lohitaka verhielten sich ordentlich, wurden demütig, besserten sich und fragten, was sie als Nächstes tun sollten. Der Buddha wies den Saṅgha an, den Akt aufzuheben. Wer die achtzehn verbotenen Dinge noch tut, bei dem soll er nicht aufgehoben werden; wer sie nicht mehr tut, bei dem soll er aufgehoben werden. Die Person bittet in der Versammlung dreimal um die Aufhebung des Aktes, und der Saṅgha verkündet sie dann.

    Anwendung im Alltag

    Legen Sie klar fest, welches Verhalten als Veränderung gilt, und wenn die Person es erreicht, schließen Sie die Sache offen ab – genauso offen, wie die Ermahnung ausgesprochen wurde.

Im Alltag ausprobieren

Am Arbeitsplatz, unter Verwandten oder in Gruppenchats gibt es oft jemanden, der gar nicht direkt beteiligt ist, aber ständig Öl ins Feuer gießt: „Gib bloß nicht nach“, „Du hast recht, ich stehe hinter dir“. Aus einem kleinen Konflikt wird so ein Lagerdenken. Diese Geschichte zeigt: Einen Streit anzustacheln ist schon für sich ein Unrecht, auch wenn der Anstifter ihn nicht begonnen hat.

Zugleich muss der Umgang damit fair sein: von Angesicht zu Angesicht, zuerst die Fakten klären, die Betreffenden sich erklären lassen – mit dem Ziel, das Verhalten zu ändern, statt jemanden für immer abzustempeln. Wenn sie sich geändert haben, muss die Gemeinschaft ihnen den Weg öffnen, wieder ein ganz normales Mitglied zu sein.

Wenn eine Freundin oder ein Freund zu Ihnen kommt, um sich über einen Konflikt Luft zu machen, versuchen Sie, „Gib nicht nach“ durch „Wie soll das Ganze für dich ausgehen?“ zu ersetzen.

Quellen im Tipiṭaka

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