Das Dhammadevaputta-Jātaka: Wenn Recht und Unrecht sich auf der Straße begegnen
DhammadevaputtajātakaṃEine Gottheit namens Dhamma und eine Gottheit namens Adhamma begegnen einander mit ihren Wagen Stirn an Stirn.…
Satipaṭṭhānakathā
Eine Seite vertritt, alle Dinge seien Grundlagen der Achtsamkeit, weil sich Achtsamkeit auf alles richten lässt. Der Theravāda zeigt, dass das, was die Achtsamkeit erkennt, dadurch nicht selbst zu Achtsamkeit wird: Bemerkter Ärger ist immer noch Ärger, nicht Achtsamkeit.
In der Satipaṭṭhānakathā des Kathāvatthu, Band 37 des Tipiṭaka, am Ende des ersten Kapitels, stimmt der Gegner zu, dass alle Dinge Grundlagen der Achtsamkeit (satipaṭṭhāna) sind. Der Theravādin fragt sofort: Sind dann alle Dinge Achtsamkeit, die Fähigkeit der Achtsamkeit, die Kraft der Achtsamkeit, rechte Achtsamkeit, der Erwachensfaktor der Achtsamkeit, der direkte Weg, der zum Erwachen und zum Nibbāna führt? Der Gegner sagt, das solle man nicht sagen.
Der Theravādin geht Punkt für Punkt vor – vom Augen-Sinnesfeld und dem Sinnesfeld der sichtbaren Form bis zu Begierde, Hass, Täuschung, Einbildung, Ansichten, Zweifel, Dumpfheit, Rastlosigkeit, Gewissenlosigkeit und fehlender Scheu vor Fehlverhalten – und fragt jeweils, ob es eine Grundlage der Achtsamkeit ist und, wenn ja, ob es auch Achtsamkeit ist. Die Begründung des Gegners lautet, dass sich die Achtsamkeit so festigen lässt, dass sie alle Dinge zum Objekt nimmt. Der Theravādin fragt darauf: Auch Kontakt kann alle Dinge zum Objekt nehmen – sind deshalb alle Dinge Grundlagen des Kontakts?
Am Ende führt der Theravādin die Lehrrede an, dass diejenigen, die an der Achtsamkeit auf den Körper keinen Anteil haben, auch am Todlosen keinen Anteil haben, dazu die Lehrrede über den direkten Weg der vier Grundlagen der Achtsamkeit und die Lehrrede über die sieben Juwelen der Faktoren des Erwachens. Er fragt, ob alle Wesen die Achtsamkeit auf den Körper entfalten oder ob alle Dinge der direkte Weg sind. Der Gegner kann nicht zustimmen. Der Kommentar nennt die Schulen, die diese Ansicht vertraten, doch der Text selbst spricht nur von sakavādī und paravādī.
Der Gegner stimmt zu, dass alle Dinge Grundlagen der Achtsamkeit sind. Der Theravādin fragt: Sind dann alle Dinge Achtsamkeit, die Fähigkeit der Achtsamkeit, die Kraft der Achtsamkeit, rechte Achtsamkeit, der Erwachensfaktor der Achtsamkeit, die Betrachtung des Buddha und des Dhamma bis hin zur Achtsamkeit auf den Atem und zur Achtsamkeit auf den Körper? Der Gegner sagt, das solle man nicht sagen. Dieser Punkt dient dem Gesamtverständnis.
Wenn Sie die weitreichende Behauptung hören, alles sei Meditation, fragen Sie, ob gemeint ist, dass alles eine Grundlage für Meditation sein kann, oder dass alles bereits Meditation ist. Das ist ein großer Unterschied.
Der Theravādin fragt Punkt für Punkt – vom Augen-Sinnesfeld und dem Ohren-Sinnesfeld, von Anblicken, Klängen, Gerüchen, Geschmäcken und Berührungen bis zu Begierde, Hass, Täuschung, Einbildung, Ansichten, Zweifel, Dumpfheit, Rastlosigkeit, Gewissenlosigkeit und fehlender Scheu vor Fehlverhalten –, ob jedes davon eine Grundlage der Achtsamkeit ist und, wenn ja, ob es Achtsamkeit oder rechte Achtsamkeit ist. Der Gegner kann nicht zustimmen.
Wenn Sie bemerken, dass Sie ärgerlich sind, nehmen Sie nicht an, der Ärger sei gut geworden. Ärger bleibt Ärger; gut ist das Bemerken, das Ihnen hilft, nicht danach zu handeln.
Der Gegner stimmt zu, dass Achtsamkeit eine Grundlage der Achtsamkeit ist und Achtsamkeit ist, nicht aber, dass das Augen-Sinnesfeld Achtsamkeit ist. Als der Gegner zustimmt, dass das Augen-Sinnesfeld eine Grundlage der Achtsamkeit, aber keine Achtsamkeit ist, fragt der Theravādin: Ist dann Achtsamkeit eine Grundlage der Achtsamkeit, aber keine Achtsamkeit? Der Gegner kann nicht zustimmen. Dieses Fragenpaar zeigt: Wenn sowohl das Erkannte als auch die Achtsamkeit selbst „Grundlagen der Achtsamkeit“ heißen, wird das Wort in zwei Bedeutungen zugleich gebraucht.
Unterscheiden Sie beim Üben innerlich das Beobachtete vom Beobachten. Der Atem ist das Beobachtete; das Gewahrsein, dass Sie atmen, ist Achtsamkeit.
Die Begründung des Gegners lautet, dass sich die Achtsamkeit so festigen lässt, dass sie alle Dinge zum Objekt nimmt. Der Theravādin stimmt zu, dass das zutrifft, nicht aber, dass deshalb alle Dinge Grundlagen der Achtsamkeit sind. Gemeinsam ist beiden Seiten: Es gibt nichts, was die Achtsamkeit nicht erkennen kann.
Sie brauchen nicht auf einen ruhigen Ort oder freie Zeit zu warten. Das Duschen, der Weg zum Bus oder die Langeweile beim Warten in einer Schlange können alle eine Grundlage für Achtsamkeit sein.
Der Theravādin fragt: Wenn alle Dinge Grundlagen der Achtsamkeit heißen, weil die Achtsamkeit alle Dinge zum Objekt nehmen kann – auch Kontakt kann alle Dinge zum Objekt nehmen; sind dann alle Dinge Grundlagen des Kontakts? Dasselbe gilt für Gefühl, Wahrnehmung, Absicht und Geist. Der Gegner kann nicht zustimmen. Dass etwas ein Objekt sein kann, heißt nicht, dass es nach dem benannt wird, was es erkennt.
Wenn Sie so argumentieren: „Weil A so ist, muss B so sein“, setzen Sie versuchsweise für A etwas anderes mit derselben Eigenschaft ein. Hält die Schlussfolgerung dann nicht mehr, hat die Argumentation eine Lücke.
Der Theravādin fragt: Wenn alle Dinge Grundlagen der Achtsamkeit sind, sind dann alle Wesen fest achtsam, mit Achtsamkeit ausgestattet, mit gefestigter Achtsamkeit? Er führt die Lehrrede an, dass diejenigen, die an der Achtsamkeit auf den Körper keinen Anteil haben, am Todlosen keinen Anteil haben, und diejenigen, die daran Anteil haben, am Todlosen Anteil haben, und fragt, ob alle Wesen die Achtsamkeit auf den Körper entfalten, pflegen und häufig üben. Der Gegner kann nicht zustimmen.
Achtsamkeit ist eine Fähigkeit, die geübt werden muss, nichts, was schon fertig ist. Nehmen Sie sich jeden Tag kurze Momente vor, um zu Ihrem Körper zurückzukehren, etwa vor jeder Mahlzeit.
Der Theravādin führt die Lehrrede an: Dies ist der direkte Weg zur Läuterung der Wesen, zum Überwinden von Kummer und Klagen, zum Ende von Schmerz und Traurigkeit, zum Erlangen der wahren Methode, zur Verwirklichung des Nibbāna, nämlich die vier Grundlagen der Achtsamkeit; dazu die Lehrrede über die sieben Juwelen der Faktoren des Erwachens, die mit dem Erscheinen eines Tathāgata auftreten. Er fragt, ob alle Dinge der direkte Weg sind oder das Juwel des Erwachensfaktors der Achtsamkeit. Der Gegner kann nicht zustimmen.
Der Weg zur Freiheit vom Leiden hat eine klare Richtung. Sich einfach durchs Leben treiben zu lassen, heißt nicht, ihn zu gehen; zum Weg wird er erst, wenn Sie sich bewusst üben.
Diese Debatte trennt zwei Dinge, die Menschen, die Achtsamkeit üben, oft verwechseln: das Erkannte und das Erkennen selbst. Alles im Leben kann eine Grundlage für Achtsamkeit sein, vom Atem und vom Abwasch bis zur Gereiztheit im Stau. Doch die Gereiztheit wird nicht dadurch etwas Gutes, dass wir sie bemerken. Die Übung ist das Bemerken.
Eine weitere Lehre: Achtsamkeit ist nicht automatisch in jedem vorhanden. Wären alle Dinge Grundlagen der Achtsamkeit, wären alle Wesen bereits fest achtsam – und das trifft nicht zu. Achtsamkeit muss entfaltet, gepflegt und immer wieder geübt werden.
In der Praxis müssen Sie also keine schönen Objekte auswählen. Alles, was vor Ihnen ist, genügt – solange Ihnen klar ist, dass Sie das Erkennen üben und nicht das Erkannte preisen.
Tippen Sie, um die Originalstelle auf der angegebenen Seite zu lesen.
Eine Gottheit namens Dhamma und eine Gottheit namens Adhamma begegnen einander mit ihren Wagen Stirn an Stirn.…
Nanda will die Robe ablegen, weil er ständig an eine schöne Frau denken muss, die ihn gebeten hat, bald zurück…
Der ehrwürdige Anuruddha vergleicht es mit einer Menschenmenge, die mit Hacken und Körben versucht, den Ganges…
Eine Reihe kurzer Lehrreden im Saḷāyatana-Saṃyutta: Auge, Ohr, Nase, Zunge, Körper und Geist bringen ungeschul…