Die Debatte über das Aufgeben der Verunreinigungen: Vergangen, künftig oder gegenwärtig?
KilesajahanakathāDie Debatte zu Beginn des neunzehnten Kapitels fragt, ob man vergangene, künftige oder gegenwärtige Verunreini…
Jahatikathā
Eine Seite vertritt, ein gewöhnlicher Mensch könne sinnliche Begierde und bösen Willen durch den feinkörperlichen Pfad aufgeben. Der Theravāda unterscheidet zwischen einem Aufgeben oder Unterdrücken bis zu einem gewissen Grad und einem vollständigen Aufgeben mitsamt der Wurzel durch den edlen Pfad. Er führt den Lehrer Sunetta an, der ein unermesslich langes Leben lebte und doch nicht vom Leiden befreit war.
In der Jahatikathā des Kathāvatthu, Band 37 des Tipiṭaka, Kapitel 1, im Anschluss an die Odhisokathā, stimmt der Gegner zu, dass ein gewöhnlicher Mensch (puthujjana) sinnliche Begierde und bösen Willen aufgibt. Der Theravādin fragt: Vollständig, ohne Rest, mitsamt der Wurzel, zusammen mit Verlangen und latenter Neigung, durch edles Wissen und den edlen Pfad, unter Verwirklichung der Frucht der Nichtwiederkehr? Der Gegner sagt, das solle man nicht sagen. Auf dieselbe Frage zum Unterdrücken gibt er dieselbe Antwort.
Gefragt, durch welchen Pfad, antwortet der Gegner: durch den feinkörperlichen Pfad. Der Theravādin weist darauf hin, dass der feinkörperliche Pfad nicht aus dem Kreislauf hinausführt, nicht zum Nibbāna führt und noch Objekt der Befleckungen und Fesseln ist – anders als der Pfad der Nichtwiederkehr, der hinausführt. Darum sollte man die beiden Arten des Aufgebens nicht ohne Unterscheidung mit demselben Wort bezeichnen.
Am Ende führt der Gegner einen Vers über sechs Lehrer der Vergangenheit und ihre vielen Hundert Schüler an, die die sinnliche Begierde beseitigten und die Brahmā-Welt erreichten. Der Theravādin führt die Lehrrede an, dass der Lehrer Sunetta, obwohl er so lange lebte, nicht von Geburt, Altern und Tod befreit war, weil er edle Tugend, Versenkung, Weisheit und Freiheit nicht verstanden und durchdrungen hatte. Die Begriffe „Aufgeben durch Unterdrückung“ (vikkhambhana-pahāna) und „Aufgeben durch Abschneiden“ (samuccheda-pahāna) gehören zu den Kommentaren und späteren Werken; die Debatte selbst schreitet durch Fragen voran. Der Kommentar nennt die Schulen, die diese Ansicht vertraten, doch der Text selbst spricht nur von sakavādī und paravādī.
Der Gegner nimmt das an, und so untersucht die ganze Debatte, was „aufgeben“ hier bedeutet. Der Theravādin bestreitet nicht, dass ein gewöhnlicher Mensch Begierde und bösen Willen beruhigen kann, fragt aber, ob dieses Aufgeben dasselbe ist wie das eines Edlen. Dieser Punkt dient dem Gesamtverständnis.
Wenn Sie sagen, Sie würden nicht mehr zornig, fragen Sie sich: in welchen Situationen – und was würde bei einer stärkeren Herausforderung geschehen?
Der Theravādin fragt: Gibt ein gewöhnlicher Mensch vollständig auf, ohne Rest, mitsamt der Wurzel, zusammen mit Verlangen und latenter Neigung, durch edles Wissen und den edlen Pfad, indem er das Unerschütterliche durchdringt und die Frucht der Nichtwiederkehr verwirklicht? Der Gegner sagt, das solle man nicht sagen – während jemand, der übt, um die Frucht der Nichtwiederkehr zu verwirklichen, auf all diese Weisen aufgibt.
Prüfen Sie mit dieser Reihe von Fragen Ihren eigenen Fortschritt: Ist diese Art von Zorn wirklich verschwunden, oder hat ihn nur noch nichts herausgefordert?
Der Gegner stimmt zu, dass ein gewöhnlicher Mensch sinnliche Begierde und bösen Willen unterdrückt. Gefragt, ob vollständig, samt Wurzel und latenter Neigung, kann er nicht zustimmen. Und als der Theravādin fragt, ob jemand, der für die Nichtwiederkehr übt, ebenso nur unvollständig unterdrückt, stimmt der Gegner auch nicht zu – was zeigt, dass die beiden nicht auf dieselbe Weise aufgeben.
Wenn Ihnen die Versenkung hilft, sich zu beruhigen, nutzen Sie diese Ruhe, um zu untersuchen, woraus der Zorn entstanden ist, statt sich damit zufriedenzugeben, dass er still geworden ist.
Gefragt, durch welchen Pfad das Aufgeben geschieht, antwortet der Gegner: durch den feinkörperlichen Pfad. Der Theravādin fragt, ob dieser Pfad aus dem Kreislauf hinausführt, zur Auflösung, zum Erwachen, zum Nibbāna, und ob er kein Objekt der Befleckungen und Fesseln ist. Der Gegner gibt zu, dass dem nicht so ist; also kann man nicht sagen, dass er auf dieselbe Weise aufgibt wie der Pfad der Nichtwiederkehr.
Tiefe Ruhe ist gut, doch halten Sie sie nicht für das endgültige Ziel. Fragen Sie, ob sie Ihnen hilft, mehr zu sehen und mehr loszulassen.
Der Gegner führt einen Vers an: In der Vergangenheit gab es sechs berühmte Lehrer, frei von Zorn, strahlend vor Mitgefühl, befreit von der Fessel der Sinnlichkeit, die die sinnliche Begierde beseitigten und die Brahmā-Welt erreichten; viele Hundert ihrer Schüler taten dasselbe. Daraus schließt er, dass ein gewöhnlicher Mensch sinnliche Begierde und bösen Willen aufgibt.
Gute, ruhige und gütige Menschen gibt es in jeder Religion und überall. Achten Sie diese Güte uneingeschränkt, ohne daraus zu schließen, dass jeder gütige Mensch alle Verunreinigungen entwurzelt hat.
Der Theravādin führt die Lehrrede an: Der Lehrer Sunetta war, obwohl er so lange lebte und so lange bestand, nicht befreit von Geburt, Altern, Tod, Kummer, Klagen, Schmerz, Traurigkeit und Verzweiflung, weil er vier Dinge nicht verstanden und durchdrungen hatte: edle Tugend, Versenkung, Weisheit und Freiheit. Der Buddha sagt: Wenn diese vier verstanden und durchdrungen sind, ist das Verlangen nach Dasein abgeschnitten, und es gibt kein neues Dasein mehr.
Lange geübte Güte ist ein wertvolles Kapital. Fragen Sie sich aber immer, ob Sie das Leben tiefer verstehen, statt nur ruhige Momente anzusammeln.
Diese Debatte erklärt etwas, das Meditierende oft erleben. Sie sitzen, der Geist beruhigt sich, Zorn oder Begehren scheinen zu verschwinden – doch wenn Sie etwas herausfordert, kommen sie zurück. Das bedeutet nicht, dass die Übung gescheitert ist. Die Ruhe der Versenkung hält die Verunreinigungen wirklich nieder, hat aber die Wurzel noch nicht herausgezogen.
Worauf man achten sollte: sich aufgrund ruhiger Phasen zu überschätzen und den Mut zu verlieren, wenn die Verunreinigungen zurückkehren. Beides kommt daher, dass man Unterdrücken und vollständiges Aufgeben nicht unterscheidet.
Versenkung ist dennoch sehr wertvoll, als Grundlage, auf der die Weisheit arbeiten kann. Für eine dauerhafte Veränderung müssen Sie aber auch die Ursachen des Zorns oder des Begehrens verstehen, statt nur darauf zu warten, dass es still wird.
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