Das Jātaka vom Geier: Auch starke Schwingen müssen eine Warnung beachten
Alltag

Das Jātaka vom Geier: Auch starke Schwingen müssen eine Warnung beachten

Gijjhajātakaṃ

Ein junger Geier, der für seine alten Eltern sorgte, flog über die Grenze hinaus, vor der sein Vater ihn gewarnt hatte, und wurde von einem heftigen Wind vernichtet – zusammen mit seiner Familie und allen, die von ihm abhingen. Die Verse lehren, auf den Rat der Erfahrenen zu hören, ganz gleich, wie fähig wir selbst geworden sind.

7 Punkte

Im Gijjha-Jātaka aus dem Neunerbuch des Jātaka, Khuddaka Nikāya, erzählen die Verse, dass es am Geierberg einen alten Pfad namens Parisaṅkupatha gab, wo ein Geier für seine alten Eltern sorgte. Der Vater sah, dass sein Sohn starke Schwingen hatte, kühn war und gern hoch und weit flog. Darum lehrte er ihn: Wenn du hinabschaust und die Erde vom Ozean umringt siehst, rund wie ein Rad, dann kehre dort um; flieg nicht weiter.

Der junge Geier flog empor, bis er die Erde genau so sah, wie sein Vater sie beschrieben hatte – und flog doch darüber hinaus. Der heftige Wind in der Höhe schlug so auf ihn ein, dass er nicht mehr zurückkehren konnte, und er kam um. Seine Jungen, seine Gefährtin und die anderen Geier, die von ihm abhängig lebten, gingen alle mit zugrunde. Der letzte Vers zieht den Vergleich: Wer in dieser Lehre nicht auf die Worte der Älteren hört, gleicht dem Geier, der die Grenze überschritt.

Im Tipiṭaka besteht das Jātaka nur aus Versen. Die obige Geschichte stammt ganz aus den Versen (die thailändische Übersetzung nennt den Geier Supat). Dass der Buddha sie über einen Mönch erzählte, der schwer zu ermahnen war, stammt aus dem Kommentar.

  1. 1

    Güte schützt nicht vor Unachtsamkeit Gijjho posesi jiṇṇake

    Die Verse beginnen damit, dass dieser Geier für seine alten Eltern sorgte und ihnen oft Pythonfett zu fressen brachte. Er war ein dankbarer Sohn, doch diese Güte schützte ihn nicht vor den Folgen, eine Warnung missachtet zu haben.

    Anwendung im Alltag

    Nehmen Sie nicht an, dass Risiken Sie nicht treffen, weil Sie ein guter Mensch sind oder hart arbeiten. Vorsicht ist etwas Eigenes, das dazukommen muss.

  2. 2

    Eine gute Warnung nennt einen klaren Haltepunkt Tato tāta nivattassu

    Der Vater verbot seinem Sohn nicht, hoch zu fliegen. Er gab ihm ein deutlich sichtbares Zeichen: Wenn du die Erde vom Ozean umringt siehst, rund wie ein Rad, dann kehre dort um und flieg nicht weiter.

    Anwendung im Alltag

    Wenn Sie ein Kind oder einen jüngeren Kollegen warnen, geben Sie ein konkretes Zeichen, etwa „hör auf, wenn der Verlust diese Höhe erreicht“, statt eines vagen „sei vorsichtig“.

  3. 3

    Können verleitet dazu, zu weit zu gehen Balī pakkhī dijuttamo

    Die Verse beschreiben den jungen Geier als sehr stark, mit kräftigen Schwingen, rasch in die Höhe steigend. Gerade diese Stärke trug ihn dorthin, wohin gewöhnliche Geier nicht gelangen – und in Gefahren, denen gewöhnliche Geier nie begegnen.

    Anwendung im Alltag

    Wenn Sie das Gefühl haben: „Das schaffe ich“, fragen Sie als Nächstes: Wenn es schiefgeht, wie groß ist der Schaden? Je geschickter Sie sind, desto mehr müssen Sie das fragen.

  4. 4

    Das Zeichen sehen und doch nicht anhalten Tañca so samatikkamma

    Der junge Geier sah die Erde genau so, wie sein Vater es gesagt hatte, und flog doch über diesen Punkt hinaus, sodass der heftige Wind in der Höhe auf ihn einschlug. Empfangenes Wissen nützt nichts, wenn man nicht danach handelt.

    Anwendung im Alltag

    Die Warnzeichen des Lebens kommen meist zuerst – Augen, die beim Fahren zufallen, oder wochenlange Schlaflosigkeit wegen der Arbeit. Wenn Sie sie sehen, halten Sie wirklich an.

  5. 5

    Von manchen Punkten gibt es kein Zurück Nāsakkhātigato poso

    Die Verse sagen, dass der Geier, nachdem er über die Grenze hinausgeflogen war, nicht mehr umkehren konnte. Er geriet in die Gewalt des heftigen Windes und kam um.

    Anwendung im Alltag

    Fragen Sie vor einer Entscheidung, die sich nicht rückgängig machen lässt – für die Schulden eines anderen bürgen, ohne Plan kündigen oder im Zorn harte Worte sagen –, zuerst jemanden mit Erfahrung.

  6. 6

    Das Verderben erfasst auch die, die von uns abhängen Sabbe byasanamāpāduṃ

    Weil jener Geier dem Rat nicht folgte, gingen auch seine Jungen, seine Gefährtin und die anderen Geier, die von ihm abhängig lebten, alle zugrunde. Die Unachtsamkeit eines Einzelnen betrifft nicht nur ihn selbst.

    Anwendung im Alltag

    Wenn Familienmitglieder von Ihnen abhängen, sind die Risiken, die Sie wählen, auch ihre Risiken. Denken Sie an sie, bevor Sie ein Risiko eingehen.

  7. 7

    Auf die Erfahrenen hören Akatvā vuḍḍhasāsanaṃ

    Der letzte Vers vergleicht: Wer in dieser Lehre nicht auf die Worte der Älteren hört, überschreitet die Grenze wie jener Geier; wer der Anleitung der Älteren nicht folgt, geht zugrunde.

    Anwendung im Alltag

    Zuhören heißt nicht, jedes Wort zu glauben. Fragen Sie aber, ob eine Warnung aus wirklicher Erfahrung kommt. Wenn ja, geben Sie ihr mehr Gewicht als Ihrer eigenen Zuversicht.

Im Alltag ausprobieren

Diese Geschichte lehrt nicht, den Älteren in allem gedankenlos zu gehorchen. Die Warnung des Vaters beruhte auf wirklichem Wissen und gab ein klares Zeichen, wo man aufhören muss. Das Problem des jungen Geiers war, dass er das Zeichen sah und trotzdem nicht anhielt, weil er auf seine eigene Kraft vertraute.

Im wirklichen Leben sind gerade Menschen, die sehr geschickt geworden sind, dafür am anfälligsten – beim Investieren, beim Autofahren, bei Überarbeitung oder beim Sport über die eigenen Grenzen hinaus. Einen „Umkehrpunkt“ im Voraus festzulegen, solange der Geist ruhig ist, und sich dann tatsächlich daran zu halten, wenn man ihn erreicht, ist ein einfacher Weg, diese Lehre sofort anzuwenden.

Quellen im Tipiṭaka

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