Angenommen, ein König oder ein königlicher Oberminister hätte noch nie den Klang einer Bogenharfe gehört. Wenn er ihn zum ersten Mal hörte, würde er sagen: ‚Werter Herr, was macht diesen Ton, der so erregend, sinnlich, berauschend, betörend und fesselnd ist?‘ Man würde zu ihm sagen: ‚Das hier, Herr, ist eine Bogenharfe.‘ Er würde sagen: ‚Geh, werter Herr, und hole mir die Bogenharfe.‘ Und dieser würde sie holen und sagen: ‚Das hier, Herr, ist die Bogenharfe.‘ Der König würde sagen: ‚Ich habe genug von der Bogenharfe! Hole mir nur den Ton!‘ Der Mann würde sagen: ‚Herr, diese Bogenharfe besteht aus vielen Teilen, die zusammengesetzt sind und die einen Ton erzeugen, wenn sie gespielt werden. Das heißt, der Ton hängt ab vom Korpus, vom Resonanzboden, vom Hals, vom Kopf, von den Saiten, vom Plektron und von einem Menschen, der die Harfe richtig spielt. So besteht eine Bogenharfe aus vielen Teilen, die zusammengesetzt sind und die einen Ton erzeugen, wenn sie gespielt werden.‘ Aber der König würde die Harfe in zehn Stücke oder in hundert Stücke schlagen und sie dann zu Splittern zerhacken. Er würde die Splitter im Feuer verbrennen, bis sie zu Asche würden. Dann würde er die Asche von einem kräftigen Wind oder einer raschen Strömung fortreißen lassen. Dann würde er sagen: ‚Es scheint, an diesem Ding, das man Bogenharfe nennt, oder was immer man Bogenharfe nennt, ist nichts dran! Aber die Leute vergeuden ihre Zeit damit, nachlässig und achtlos!‘ Ebenso sucht ein Mönch nach Form, Gefühl, Wahrnehmung, Willensbildungsprozessen und Bewusstsein, wo immer diese wiedergeboren sein könnten. Wenn er so sucht, sind seine Vorstellungen von ‚ich‘ oder ‚mein‘ nicht mehr da.“
19. Das Kapitel über das Gleichnis von den Giftschlangen
Das Gleichnis von den sechs Tieren